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Berichte


Allein in der Pampa 2014

Hallo Wallerfreunde,
ich habe auch mal wieder von einem interessanten Trip im August zu berichten. Wobei eigentlich alles mit dem Super-Gau anfing:
Als gegen 21.30 Uhr das Telefon klingelte, hatte ich schon eine böse Vorahnung. Und tatsächlich, gerade einmal 6,5 Stunden vor der Abfahrt an den Doubs sagte mir mein Angelkumpel ab. Diese niederschmetternde Nachricht haute mich fast gänzlich aus den Socken. Wo noch so schnell einen Ersatz herbekommen, nach all der Vorbereitung (Planung, Angelkarte war bereits bezahlt, Auto geladen) von der tagelangen Vorfreude mal ganz abgesehen?! Natürlich waren meine Anrufe vergebens. Sogar mein Sohnemann hatte keine Lust. Dann blieben also nur noch 2 Alternativen: zuhause bleiben oder alleine fahren. Ich entschied mich mit Grummeln im Bauch für die letztere.
Glaubt mir, ich war mir sowas von unsicher, ob das alleine funktioniert und beschloss, die Sache äußerst vorsichtig anzugehen und einen einfachen Platz in einem Altwasser aufzusuchen, den ich schon von meinen bisherigen Trips kannte. Ich spulte Kilometer für Kilometer ab und je näher ich meinem Ziel kam, desto mehr stieg der Mut, mich 4 Tage und 3 Nächste alleine in die Pampa zu setzen. Eigentlich hatte ich ja vor, einen neuen Flussabschnitt zu testen und mir einige Plätze aus Google Earth rausgesucht. Ich wollte mir die Plätze für zukünftige Trips trotzdem mal anschauen. Aber der Naturfluss Doubs machte mir wieder mal einen Strich durch die Rechnung: Entweder es gab undurchdringlichen Uferbewuchs oder Steilufer, oder eine Mischung daraus. Slip-Plätze sind am Doubs ja sowieso Mangelware. Also fuhr ich an eine mir bekannte Stelle, wo ich mein Auto (relativ) sicher stehenlassen und mein Schlauchi bequem zu Wasser lassen konnte. Boot aufblasen, beladen und Motor anlassen klappte wie am Schnürchen und so konnte ich mich nach kurzer Zeit auf den Weg zu meinem Plätzchen flussaufwärts machen.
Der Doubs führte noch ca. 60-70 cm höher als normal, die Strömung war aber für meine 4,5 PS gut machbar und ich genoss die Fahrt bei schönem Wetter. Mein Platz war auch tatsächlich frei: Eine kleine Halbinsel in einem Altarm mit einer Entfernung zum bewachsenen Ufer von ca. 20-25 Metern. Ich lud schnell aus und machte mich auch direkt daran, die Vorbojen an die interessanten Büsche und Äste zu binden. Rudernd brachte ich dann die Ruten einzeln aus. Alles klappte ja geradezu perfekt und ich belohnte mich mit dem ein oder anderen Fläschlein Bier.
Obwohl ich einige handlange Karauschen mitgebracht hatte, verbrachte ich die nächsten Stunden mit Köfi-Fangen. Mittlere Rotaugen, Rotfedern und Güstern bissen ausgesprochen gut. Ich bemerkte, dass nicht weit von einer meiner Montage immer mal „Etwas“ in einen Rotaugenschwarm raubte und so beschloss ich, zumindest eine der Ruten mit einem Doppelpack Rotaugen zu beködern. Gesagt getan: gegen 17.30 Uhr fuhr ich drei Karauschen und einen Cocktail aus 2 Rotaugen an die vorgesehenen Ruten, baute mein Zelt auf uns genoss die Einsamkeit und die Natur. Leider zog ein ordentliches Gewitter auf und ich fand erst in den Schlaf, als ich nach den Blitzen bis über 20 zählen konnte. Ich hasse Gewitter beim
Angeln! Die Nacht verlief ereignislos. Nur einmal hatte ich ein kurzes energisches Glöckchenläuten gehört.
Am nächsten Morgen begrüßte mich eine ganze Armada großer Brachsen, die vergnüglich um meine Halbinsel zogen und meine leckeren Maden gänzlich ignorierten! Ich war total überrascht, dass meine 2 Rotaugen noch quietschfidel waren und noch nicht auf der Seite lagen. Als ich mir gerade meinen Kaffee zubereiten wollte, knallte es hinter mir. Die „Rotaugen“-Rute war doch tatsächlich abgerissen und ein unbekannter Räuber wollte sich mit seiner Beute aus dem Staub machen. Leider ging der Anschlag ins Leere, aber immerhin, es waren Welse da und die „Rotaugen-Montage“ funktionierte. Nach dem Frühstück kontrollierte ich die restlichen Ruten. Bei einer Rute fehlte die Karausche, ich erinnerte mich wieder an eine Glöckchengeleute. Trotz abzusehender Hitze wollte ich diese Rute nicht brachliegen lassen und beköderte sie mit einem „Sandwich“ aus großem Rotauge und mittlerer Güster, da ich ja meine guten Karauschen nicht opfern wollte. Den Tag über find ich dann doch noch einige gute und mittlere Brachsen bis zu 3 Pfund auf Made/Mistwurm-Cocktail und freute mich, eine weitere gute Alternative für den Abend anbieten zu können. Gegen 15 Uhr übermannte mich die Müdigkeit aus zu wenig Schlaf und zu viel Bier bei 30 Grad in der Sonne, und so legte ich mich in mein Zelt, um etwas auszuruhen. Tagsüber hatte in 7 Jahren Wallerfischen ja noch nie was gefangen. 7 Jahre und 2 Monate…
Gegen 15.45 Uhr hörte ich nämlich mein Lieblingsgeräusch: die Abreißschnur knallte und das Glöckchen gab ihr Bestes. Ich spurtete zu meinen Ruten und musste erkennen, dass es wieder die mit der Rotaugen-Kombination war, die den Biss gebracht hatte. Leider hing die Schnur zwischenzeitlich durch und ich nahm diese vorsichtig auf. Dann die Erleichterung: Am Ende der Schnur gab plötzlich jemand Gas und ich quittierte die Flucht mit einem ordentlichen Anschlag. Ich kämpfte ca. 10 Minuten, bis ich mir sicher war, den einarmigen Wallergriff anzusetzen. „Natürlich“ hatte ich vergessen, meine Plane zu richten und so musste ich den Fisch übers Gras auf einen sicheren Platz ziehen. Der Walli war so platt, dass ich ohne Probleme das Maßband ansetzen konnte. Es zeigte beachtliche 1,65 Meter. Ich war einfach nur happy: Mein erster ganz alleine gefangener Wels und dazu auch noch in der größten Mittagshitze. Nach 3 Fotos entließ ich den Wels wieder vorsichtig in sein Element und strahlte übers ganze Gesicht.
Gegen 18 Uhr fuhr ich dann wieder meine Montagen raus. An die weitest entfernteste Rute köderte ich den 3-Pfund-Brachsen, dann 2 mittlere Brachsen sowie meine neue Lieblingskombi Rotauge/Rotauge. Wieder zogen dunkle Wolken auf und entferntes Grollen ließ auf ein herannahendes Gewitter tippen. Ich beschloss, den Wasserstand verstärkt im Auge zu behalten und steckte ein „Orientierungs“-Stöckchen. Ich hatte ca. 70 cm Luft, bis mein Zelt im Wasser stehen würde. Insgesamt 4 (!!) Gewitter zogen die nächsten 2 Stunden über mich. Als Gewitter-Hasser war da für mich an Schlaf nicht zu denken. Zu allem Überfluss hatte ich in dieser Zeit auch noch 2 Attacken, wobei die eine ein ziemlich kleiner gewesen sein muss. Ich konnte 3 mal beobachten, wie der Fisch den Brachsen attackierte ohne dass die Abreißschnur knallte. Der 2. Biss war dafür umso intensiver, denn er erfolgte auf die Rute mit dem 3-Pfund-Brachsen. Leider konnte ich den Drill nur kurz genießen. Der Fisch zog mit ein paar Sekunden Schnur von der geschlossenen Rolle und schlitzte dann aus. Ich fluchte nur kurz, stellte meine Angel in den Rutenhalter und flüchtete vor den Blitzen in mein Zelt.
Am Sonntagmorgen erwartete mich wieder schönstes Wetter. Ich fischte tagsüber weiter mit 3 Ruten auf Wels und nutzte die 4. Rute abwechselnd zum Feedern, Posenangeln und Blinkern. So fing ich dann neben weiteren Brachsen und Rotaugen noch einen Barsch, einen halbstarken Döbel und eine kleine Barbe. Ich war wirklich zufrieden, denn alles klappte wie am Schnürchen. Was zu erledigen war, wurde erledigt. Mein Angelplatz war noch nie so gut aufgeräumt und sortiert. Was fehlte, war ein lockeres Schwätzchen oder ein dummer Spruch. Ja, so langsam wurde die Einsamkeit etwas „komisch“. Ich führte temporär Selbstgespräche, summte über Stunden das Lied „Schickeria“ von der Spider-Murphy-Gang und ertappte mich zuweilen als „Monk“. Trotz alledem freute ich mich auf die letzte Nacht. Thomas Fradl hatte mir per SMS noch ein paar gute Wünsche gesendet und so hoffte ich auf einen tollen Abschluss.
Der Himmel machte mir Sorgen und ich beschloss, diesmal früher die Montagen auszubringen. Ich behielt recht: Schon gegen 18 Uhr erwischte mich erneut ein Gewitter und der Himmel öffnete seine Schleusen. Nachdem das Wasser über Tag knapp 15 cm gestiegen war, behielt ich es weiter im Auge und richtete mich so, dass ich kurzfristig hätte mein Boot laden können. Als nach ca. 1,5 Stunden die Sonne wieder durchkam, entspannte ich und verbrachte einen wunderschönen Abend mit leckeren Bierchen und genoss den Blick auf die Natur und die sich wiegenden Rutenspitzen. Wieder hatte ich an der gleichen Rute eine Attacke von einem Kleinen. Da aber zumindest eines der beiden Rotaugen noch ordentlich Rabbatz machte, fuhr ich keine neuen Köfis raus und trank lieber weiter.
Gegen 1.30 Uhr Uhr wurde auch aus dem Schlaf gerissen. Von einem ordentlichen Abriss in Wallung gebracht, läutete eines meiner Glöckchen. Ich musste grinsen: Schon wieder die Rute mit dem Rotaugen-Cocktail. Vorsichtig nahm ich die durchhängende Schnur auf ehe ich eine unvermittelte Flucht mit einem couragierten Anhieb parierte. Ich merkte gleich, dass ich es mit keinem Großen zu tun hatte, wollte den Fisch aber unbedingt als krönenden Abschluss. Die Haken fassten super und nach kurzem Drill zog ich den Wels an Land. Er maß genau 1,30 Meter und ich konnte in unverletzt ins Wasser zurücksetzen.
Gegen 7 Uhr wachte ich auf. Da ich am Vorabend ja bereits vieles gerichtet hatte, wollte ich mir eigentlich schon eine Stunde Schlaf gönnen. Als ich aber aus dem Zelt schaute, stockte mir allerdings der Atem: Seit der letzten Aktion war das Wasser um über 30 cm gestiegen und stand nicht mehr weit von meinem Zelt. Ich verzichtete daher auf die Stunde Schlaf, machte mir gleich mein Frühstück und baute dann ohne große Verzögerung das Zelt ab. Abschließend holte die Ruten ein und belud das Boot.
Der Motor sprang wieder sofort an und so fuhr ich mit gemischten Gefühlen los. Einerseits mit Wehmut, einen tollen Trip zu beenden, auf der anderen Seite war ich aber auch mächtig stolz auf mich. Und ich freute mich natürlich auch auf meine Familie und meine Hunde. Noch ein kurzer Blick zurück und ich trällerte lauthals eines meiner selbst komponierten Lieder aus der Jugendzeit.
Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich froh bin, alleine gegangen zu sein! Es gab zu keiner Zeit (na ja, von den Gewittern mal abgesehen) Probleme, alles funktionierte perfekt. Ich bin kein Risiko gegangen und habe trotzdem Fisch gefangen. Manche werden vielleicht denken: „Was schreibt der eigentlich soviel, ist doch ein stinknormaler Trip gewesen?!“ Nein, war es nicht für mich. Und wenn er mir noch so viel Spaß gemacht hat, ich werde weiterhin lieber zu Zweit zum Wallerfischen fahren. Es kann einfach zu viel passieren, und dann auch noch im Ausland irgendwo in der Pampa. Und als geselliger Mensch ist zu Zweit halt auch viel schöner!
Anfang Oktober geht’s wieder an den Doubs, der Angelpartner steht! Kurzfristige Absagen bleiben weiterhin ärgerlich und kommen hoffentlich nicht mehr vor. Ich weiß jetzt aber: es geht auch alleine!
Viele Grüße
Thomas


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