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Rekordfänge


72 Pfund Spiegelkarpfen

Nach Pfingsten habe ich zwei Wochen Urlaub! Am Pfingstmontag fahre ich an meinem Vereinssee vorbei und füttere an zwei verschiedenen Stellen an. Zwei Stellen deshalb, weil ich meine Chancen erhöhen will, dass wenn ich abends am See ankomme, einer meiner Plätze frei ist. Mein Plan sieht nämlich so aus, dass ich die Tage von Dienstag bis Samstag mit meiner Familie im Wochenendhaus meiner Eltern verbringe und die Nächte am See.
So der Plan! Doch wie es so mit guten Plänen ist, gehen diese nicht immer auf. Am Dienstag kommt nachmittags eine SMS von meinem Freund Rainer, dass an einem der Plätze gerade ein Karpfenangler aufbaut und am anderen Platz ab Mittwoch ein Angler die nächsten 10 Tage fischen will. Hhhmmm…was tun? Naja, ein Platz ist ja heute noch frei. Ich komme dienstags abends wie geplant kurz vor Dunkelheit an und lege meine Ruten für die Nacht aus. Markus Pelzer ist auch am See und ich freue mich, meinen Freund nach über einem Jahr mal wieder zu sehen. Nach einem netten Abend mit viel Carptalk lege ich mich unter meinen Schirm und hoffe auf einen Biss. Aber nur ca. eine Stunde, denn dann hoffe mit all meiner Willenskraft, dass ich bitte, bitte keinen Biss bekomme. Ein mehr als brutales Gewitter zieht über mich hinweg und bleibt mit seinem Epizentrum für einige Stunden genau über meinem Pelzer-Brollie-Schirm stehen. Taghelle Blitze wechseln sich mit Donner ab, der lauter als die Salutschüsse am Ende eines AC/DC Konzertes ist. Dazu prasseln Millionen Liter Regenwasser auf meinen sturmgepeitschten Schirm nieder. Zum Glück war ich abends nicht ganz so faul wie sonst und habe die Frontplane eingezogen. Der Schirm hält dem Unwetter stand und ich bleibe weitgehend schlaflos, aber trocken…und mein Flehen, kein Fisch soll beißen, wird erhört.
Es regnet den ganzen Tag und jetzt beide meine avisierten Stellen sind besetzt. Diese Nacht bleibe ich bei meiner Familie. Am nächsten Abend – Donnerstag – komme ich planmäßig im letzten Tageslicht an und baue meinen Schirm gezwungenermaßen an einem anderen Platz auf. Vor dem Einschlafen gehe ich noch eine Runde mit meinem Hund und besuche den Angler, der auf meinem Wunschplatz sitzt, dem Platz, an dem ich gestern das Unwetter überlebt habe. Wir kennen uns schon lange und nach der Begrüßung berichtet er mir, dass er heute Nachmittag Mary gefangen hat. Mary, mein # 1 Zielfisch, wegen dem ich hier fische. Ich gratuliere ihm und gehe irgendwann demotiviert zurück an meinen Platz. Hätte ich nicht schon alles aufgebaut, würde ich zurück zum Wochenendhaus fahren und fernsehen. Stattdessen lege ich meine Ruten halbherzig aus und denke viel darüber nach, wie, wo und ob ich überhaupt in der nächsten Zeit hier fischen werde. Zu einem Entschluss komme ich nicht. Am nächsten Morgen ist meine zweite Wunschstelle wieder frei und ich entscheide mich, hier zu füttern. Falls ich am Abend Lust habe zu angeln, ist zumindest ein Platz vorbereitet, falls nicht liegt schon mal etwas Futter für meine zweite Urlaubswoche am Platz. Ich verteile großflächig 6 kg The Element Proton TFB Boilies in 20 mm Größe. Das ist für diesen See eine große Futtermenge, doch ich bin mir sicher, dass erstens die Fische am fressen sind, zweitens die Proton Boilies sofort angenommen und gierig gefressen werden und drittens will ich sicher stellen, dass genügend Boilies für die Dicken übrig bleiben, nachdem sich Schleien und Blässhühner satt gefressen haben. Am Nachmittag, dem letzten meiner ersten Urlaubswoche, fährt meine Familie wegen Schlechtwetter vom Wochenendhaus nach Hause und ich stehe vor der Entscheidung, ob ich sie begleite oder ans Wasser gehe. Es regnet gerade mal wieder Bindfäden und ich verschiebe meine Entscheidung noch einmal. Ich werde zum See fahren, falls es dort auch regnet fahre ich heim, falls nicht baue ich auf.
Und als würde mir der Karpfengott persönlich ein Zeichen geben, hört kurz vor dem See der Regen auf, die Wolkendecke reißt auf und die Sonne kommt heraus. Meine Stelle ist noch frei und ich nehme das Gottesurteil an und baue gemütlich mein Tackle auf. Nachdem alles steht, gehe ich erst einmal meinen Freund Jürgen Proske besuchen. Er baut gerade an einem anderen Seeteil auf, wo er einige Fische gefunden hat. Wir unterhalten uns eine ganze Weile und hätte es einen Kaffee gegeben, wäre ich bestimmt noch länger geblieben. Doch so gehe ich nach einer guten halben Stunde zurück an meinen Platz und lege die Ruten aus. Als Hakenköder ziehe ich an beiden Haken jeweils einen 20 mm Proton-TFB-Boilie direkt aus dem Eimer aufs Haar. Ich verwende keinerlei Dips, Pülverchen oder irgendwelche Plastikimitationen. Im Gegenteil, ich will den visuellen Reiz ausschalten und nur auf die Lockwirkung der Boilies vertrauen. Mein Hakenköder soll sich NICHT von den angefütterten Boilies unterscheiden. Ich glaube, dass die richtig dicken Fressmaschinen (und die will ich fangen) lieber ganz normale Boilies fressen als Pop Ups, oder leuchtendes Gummizeugs. Mein einziges Lockmittel ist eine „Five-bullet-bomb“, ein PVA-Netz gefüllt mit fünf Boilies, welches ich direkt an den Haken hänge. Zehn Minuten später kommt ein Bekannter an meinen Platz.
Wir sind keine drei Minuten am reden dann läuft die rechte Rute ab. Der Fisch nimmt von Beginn an brutal Schnur und lässt sich nicht bremsen. Das ist definitiv keiner der Satzkarpfen. Mein Bekannter fragt, ob ich die Bremse so weich eingestellt habe, doch ich muss ihm zitternden Knien sagen, dass diese fast ganz zu ist! Es folgt ein richtig harter Drill, so wie ich ihn liebe. Der Fisch bleibt erst im Freiwasser und tobt sich dann unter der Rutenspitze aus. Ca. 20 Minuten später gleitet ein massiver Spiegler in den Kescher. Da es in diesem See, außer den Satzkarpfen, nur drei Spiegler gibt, erkenne ich sofort, dass es Zeus ist. Zeus wog beim letzten Fang vor ca. 2 Jahren knapp über 20 kg, doch schon beim Anheben des Keschers merke ich, dass er kräftig zugelegt haben muss.
Der Fisch ist in einem makellosen Zustand und hat riesige Flossen, deshalb war er beim Drill auch kaum zu bändigen. Die Waage bestätigt meine Vermutung und zeigt knapp über 26 kg an, es bleibt nach Abzug der Wiegeschlinge ein Gewicht von 25 kg! Wahnsinn, die Ruten liegen keine viertel Stunde im Wasser und der zweitgrößte Spiegler des Sees beißt an! Nach all den Widrigkeiten und Rückschlägen der letzten Woche nun doch noch der verdiente Lohn. Doch es kommt noch besser!
Wir machen sofort einige Bilder und ich lege die Rute wieder aus. Der Boilie ist noch OK, also bleibt er am Haar. Nur eine neue Five-bullet-bomb kommt an den Haken und die Montage landet an der gleichen Stelle wie zuvor.
So gegen 3:00 Uhr nachts, keine sieben Stunden später, reißt mich ein Dauerton aus dem Schlaf. Wieder die rechte Rute. Nach fünf Sekunden stehe ich mit der mehr als im Halbkreis gebogenen Rute am Ufer und kann nichts dagegen unternehmen, dass der Fisch wie eine Dampfwalze Schnur von der Rolle reißt. Der zieht ja noch stärker als Zeus! Er tobt sich einige Minuten im Freiwasser aus und dann macht er genau das, was ich am meisten fürchte. Er schwimmt unaufhaltsam auf einen versunkenen Baum an der rechten Seite des Angelplatzes zu. Und es kommt, was kommen muss, er setzt sich im Baum fest! Was nun? Ich rufe Jürgen an und zu meiner großen Überraschung meldet er sich verschlafen nach dem dritten Klingeln. Nach einer gefühlten Ewigkeit hat er die 300 Meter Fußmarsch geschafft, der Fisch sitzt immer noch im Baum fest. Jetzt bin ich an der Reihe. Ich muss rein ins eiskalte, tiefschwarze und unendlich tiefe Wasser. Gerade als ich die Schnur fassen will, kommt der Fisch frei und zieht nach draußen. Prima! Zurück am Ufer übernehme ich die Rute und der Kampf geht einige Minuten weiter bis der Fisch wieder in den Baum schwimmt. Also wieder ins Wasser. Diesmal ziehe ich den Fisch an der Schnur einige Meter nach links in die Mitte meines Angelplatzes in der Hoffnung, ihn vom Baum fernhalten zu können. Und diesmal klappt es, nach wenigen Minuten, die mir wie Stunden vorkommen, schiebt Jürgen den Kescher unter einen riesigen Spiegler, definitiv den größten des Sees!
Ich sacke den Fisch noch direkt im Wasser ein. Als dann noch ein anderer Angler dazu kommt, wiegen wir den Fisch gleich. Wir sind sehr gespannt auf das Gewicht. Die Waage bestätigt auch diesmal meine Vermutung. Der Fisch hat gut zugenommen, der Zieger bleibt bei 36,8 kg stehen. Bleiben nach Abzug der Karpfensackes 36,3 kg – absolutes Höchstgewicht und mein neuer Personal Best! Bevor ich die Rute wieder auswerfe, kontrolliere ich meine Montage. Weder die Hauptschnur noch der Lead Core Leader zeigen irgendwelche Schäden. Es ist schon phänomenal, was die Pelzer White Lightning alles aushält, nicht der kleinste Macken. Ebenso der Haken. Der 6er Mako SF 1 ist noch nadelspitz und keinen Millimeter verbogen. Dieses Setup ist und bleibt meine erste Wahl beim Angeln auf Großkarpfen.
Noch in der Nacht kommt Markus Pelzer am See an. Am Morgen machen Jürgen und Markus die Bilder. Vielen Dank auch an Felix, der mitgeholfen hat, den Fisch waidgerecht zu versorgen.
Ich kann es immer noch kaum glauben. Die zwei größten Spiegelkarpfen des Sees, im Doppelpack gefangen innerhalb von knapp sieben Stunden. Über 122,5 Pfund Karpfen!!! Glücklich wie ein verliebter Teenager, das Blut überschwemmt mit Endorphinen, fahre ich nach Hause. Endlich wieder einmal hat der See meine Liebe erwidert!
…weil’s fängt, Mario Winnikes.
Quelle: Pelzerbaits

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