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Berichte


Auf "Kescherjagd" am Mittellauf

Alles ist gerichtet, verstaut und wir sind abfahrtsbereit.

Wir, das sind mein Sohn Florian und ich. Unser Ziel: Erstmal Thomas und seinen Sohnemann Christian abholen und dann ab in Richtung Po. Wir haben uns viel vorgenommen: Fette, schleimige Waller wollen wir auf die Plane legen und auch sonst viel Spaß und Abwechslung haben.

Mir schwirrt noch ein ganz anderer Gedanke im Hinterkopf herum: Einen fetten Po-Kescher, das wäre die Krönung! Ich habe schon viel gehört von den breitköpfigen Unterfang-Keschern mit Ihren großen Maschen und langen Stäben. Hinter der Hand wird viel getuschelt über diesen brutalen Beifang, der oft völlig unvermittelt an die Montagen geht und sich mit ganzer Kraft in die Strömung stellt, dabei jede Gelegenheit nutzt, sich am Grunde des Flusses festzuhalten. Ich sage nichts zu Thomas , gehe ganz offiziell auf Wels und habe meine Montagen entsprechend vorbereitet.

Im La Motta-Camp werden wir freundlich empfangen. Während eines Tässchens Kaffee erhalten wir unsere Lizenzen und unser Boot. Mühsam beladen wir unser „Traumschiff“ über die steile Treppe am Steg . Nach einer kurzen Einweisung durch Thorsten starten wir durch zum ersten Platz.

Wegen des extremen Niedrigwassers kommen wir kaum aus dem Po heraus. Thomas schafft es aber dennoch, uns ohne Aufsetzen in den Po zu navigieren . Wir entscheiden uns für eine langgezogene Sandbank flussabwärts, wo wir entlang der Strömungskante fischen wollen. Zehn Köfis haben wir zur Sicherheit im Camp gekauft. Wir sind sehr spät dran, die Waffen müssen scharf gemacht werden und da bleibt keine Zeit mehr zum Feedern. Für ein nicht eingespieltes Team klappt es erstaunlich gut mit dem Auslegen. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir fertig und bauen fix unser Lager auf. Das erste Fässchen Warsteiner wird entjungfert und es folgt der gemütliche Teil. Da wir aber allesamt sehr müde sind, geht es rasch in die Koje. Thomas hat wenig Hoffnung für die erste Nacht. Ich bin da schon optimistischer und habe daher zusätzlich zu meinen Bissis Glöckchen an die Ruten geklemmt. Die Wallis können kommen – oder vielleicht schon ein Kescher?

Irgendwann in der Nacht schrecke ich auf. Mein Bissanzeiger hat einmal Piep gemacht. Hab‘ ich da nicht auch noch ein Glöckchen gehört? Es piept noch einmal. Schnell in die Crogs und volle Pulle an meine Big Fish. Die Schnur hängt durch. Macht nichts, ich suche Kontakt und gebe meinem Gegenüber zwei heftige Anschläge. Hängt! Ich rufe nach Thomas, der kurz danach in strammen Unterhosen neben mir steht . Bei einem fröhlichen „Petri“ setzt er gekonnt den Wallergriff und überreicht mir einen halbstarken Waller, den wir auf 1 Meter aufrunden und ihn wieder an den Po zurückgeben. Minimalziel ist also bereits in der ersten Nacht erreicht. Florian hat seinen ersten Waller gesehen..

Am nächsten Tag beginne ich nach dem Kaffee mit dem Feedern. Schnell gesellt sich ein Brasse nach dem anderen in unseren Setzkescher. Als Thomas dann auch noch mit dem Feedern beginnt, ist der Bunker schnell gefüllt. Also schon mal kein Köfi-Problem. Im Laufe des späten Vormittags frischt der Wind gewaltig auf. Mir schwinden für diese Nacht die Hoffnung. Bei Wind habe ich noch nie einen Walli gefangen. Wir legen natürlich trotzdem auf und entjungfern das zweite Fässchen Warsteiner.

Leider bleibt die Nacht erfolglos und Thomas entschließt sich, Stöcke zu setzen. Einen an der Kante und einen im Flachwasser. Ich dagegen wage einen Versuch an der Fahrrinne. Bevor es jedoch zum neuen Setzen der Montage kommt, bekommen wir Besuch von der Naturschutz-Polizei. Hut ab, die Jungs machen sich wirklich einen weiten Weg zu uns auf die Sandbank.

Die Kontrolle verläuft sehr freundlich. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass Campen verboten sei, und dass wir 100 € Strafe zahlen müssten, wenn wir nicht abbauen. Wir bauen ab und ein paar Stunden später in der Dunkelheit wieder auf. Regen ist gemeldet – sicher ist sicher!

Aber auch in der 3. Nacht sind wir ohne Fisch. Lediglich Thomas kann an der Stockmontage in 1 Meter Tiefe einen Schnapper vermerken. Das ist zu wenig, wir beschließen zu moven und vorher einen Besuch im La Motta abzustatten. Das Wasser ist in den letzten Tagen noch weiter gefallen. „Kapitän Fradl“ gibt sein Bestes, das Boot durch die schmale Fahrrinne an den Steg zu navigieren.

Benno gibt uns den Tipp, flussaufwärts an einem Platz mit Totholz die Ruten abzuspannen. Wir tuckern an den vorgeschlagenen Platz und müssen erkennen, dass das meiste Holz auf dem Trockenen liegt. Wir versuchen dennoch die unterschiedlichsten Techniken. Thomas gelingt es, mit Christian eine Meeräsche ohne Angel zu fangen. Ich darf diese an meine letzte Montage anködern. Florian entwickelt enormen Ehrgeiz beim Feedern . Dann kommt der Regen und wir hoffen natürlich für die letzten Tage auf steigendes Wasser und mehr Fischaktivitäten.
Leider verläuft auch die 4. Nacht sehr ruhig und wir beschließen, mit dem Ausloten des Gewässergrundes etwas größere Strecke zu machen. In über 200 Meter Entfernung finden wir 2 interessante Stellen. Unser Camp können wir nicht versetzen. Da meine Rollen etwas mehr Schnur auf der Rolle haben, legen wir meiner Montagen dort ab und versetzen die Ruten etwas weiter weg. Die Meeräsche ist noch fidel und wird daher auf eine vielversprechende Montage umgehakt. Florian fängt beim Feedern einen guten Köder-Rapfen, der an die Fradl-Ruten darf. Die Entscheidung war goldrichtig. Noch in der Helligkeit schnappt sich ein Teenie-Walli (118 cm) die Meeräsche und lässt sich von mir 200 Meter gegen die Strömung ziehen. Zugegebenermaßen hatte ich schon mehr Kräfte aufwenden müssen, aber wir freuen und alle über unseren zweiten Wels und bringen die Rute im Anschluss nochmals aus. Bringt auch der Rapfen noch Fisch?

Voller Hoffnung auf weitere Aktionen legen wir uns in unsere Zelte und finden langsam Ruhe. Die Ruhe hält sich leider die ganze Nacht und wir beschließen, ein letztes Mal den Platz zu wechseln. Da das Wasser langsam aber stetig zu steigen beginnt, hoffen wir auf ein großes Finale.

Unser Camp schlagen wir auf der Mündung eines Seitenarmes auf, sicherheitshalber gleich mal auf dem höchsten Punkt. Zwei unserer Montagen legen wir entlang der Steinschüttung vor tiefen Löchern aus. Der Rest des Platzes gibt genug Struktur her, die restlichen Waffen auszulegen. Wie gesagt, das Wasser steigt. Wir merken dies auch noch an der fallenden Wassertemperatur und den immer selteneren Aktionen an den Feederruten.
Immerhin, Thomas wird zum Barbenkönig und unsere Sohnemänner bauen kräftig im Sand und leiten das Wasser um. Plötzlich ertönt ein Piepser an meinem Bissanzeiger und das Glöckchen quittiert die immer stärken werdendem Schläge an der Rutenspitze. Ich starte einen für mein Alter beträchtlichen Spurt zur Rute und setze etwas unsicher den Anschlag. Die Rute biegt sich enorm und ich nehme die erste Schnur auf. Da ist etwas anders als sonst, denke ich mir und pumpe, was das Zeug hält.
Ein Waller ist es wohl nicht. Ist es etwa…? Nach ca. 10 Minuten Kräftemessen, kann ich es fast nicht glauben und traue meinen Augen nicht, als ein kapitaler Kescherkopf erstmals die Wasseroberfläche durchbricht. Nach einer weiteren Minute packe ich ihn mit einem gekonnten Keschergriff und hieve das Ungetüm gekonnt an Land. Ich habe es also geschafft: Ein mehr als 2-Meter großer italienischer Unterfang-Kescher (lat. Keschus extremus italianus) mit einer Unmenge von Steinen und Disteln starrt mich aus seinen grünen, verdreckten Maschen an. Wir können alle nicht glauben, was wir sehen und machen als Beweis gleich ein paar aussagekräftige Fotos.

Leider haben wir auch in der 6. Nacht keine weiteren Aktionen und wir setzen alles auf die letzte Nacht. Aufgeben ist nicht, auch wenn uns der aufkommende Wind die Laune etwas madig macht. Thomas fängt mal kurz eine Barbe auf Ansage und ein komischer Wels kann seiner Maden/Mais-Kombi nicht widerstehen. Scheint irgendeine Art Zwergwels zu sein. Wir machen lediglich 2 Barteln und 2 Stacheln an den Seitenflossen aus.

Kurz und gut. Auch die letzte Nacht brachte uns keinen weiteren Walli (oder Kescher ). Um kurz nach 7 Uhr beginnen wir mit dem Campabbau und laden das Boot. Eine schöne und lustige Woche neigt sich dem Ende. Natürlich hätten wir gerne mehr gefangen. Als wir die Fangliste im La Motta sehen, trösten wir uns damit, dass wohl auch insgesamt nur mäßig gefangen wurde. Immerhin zwei halbstarke Welse und einen kapitalen Kescher bedeuten, dass Team „T and T“ nicht als Schneider nach Hause fährt. Sicherlich wird es nicht allzu lange dauern, bis mich der Po wiedersieht. Dann allerdings mit etwas weniger Tackle im Schlepptau. Ich finde, Team „T and T“ hat sich wacker geschlagen und hat super harmoniert.
Und auch die Jungs haben trotz des Altersunterschiedes eine tolle Zeit miteinander verbracht.
Bis zum nächsten Versuch!
Petri Heil an alle!

Viele Grüße

Thomas und Florian

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